Freigehege für Europäische LandschildkrötenSIGS-Merkblatt Nr. 10
Eine Freilandanlage für Europäische Landschildkröten ist eine naturnahe Aussenlandschaft zur möglichst optimalen Haltung von in unseren Breitengraden nicht heimischen Tieren. Die Vegetation bedarf genauso der Pflege wie unsere Tiere. Diese künstlich geschaffene Landschaft soll den natürlichen Bedürfnissen der Schildkröten Rechnung tragen. Nur das eingehende Studium des intakten Biotops in der Natur kann uns darüber Aufschluss geben, wie ein Gehege anzulegen ist. In der Natur leben die Europäischen Landschildkröten immer in nach Süden ausgerichteten, windgeschützten Biotopen. Unseren Pfleglingen soll zudem die Möglichkeit geboten werden, ein natürliches Nahrungsangebot zu finden, das auf einer Magerwiesenvegetation basiert.
Planung und LagePlanen Sie Ihre Anlage sorgfältig. Besichtigen Sie schon bestehende Anlagen von erfahrenen Schildkrötenhaltern. Die Grösse der Anlage richtet sich nach der Anzahl der zusammen gehaltenen Tiere. Die Grundfläche kann eigentlich nie zu gross sein. Eine Unterteilung des Geheges oder ein Reservegehege sind von Anfang an in die Planung miteinzubeziehen. Die Schildkrötenanlage muss den ganzen Tag besonnt sein. Für die Aufwärmphase der Tiere ist Morgensonne sehr wichtig. Eine windgeschützte Anlage sorgt für das Wohlbefinden Ihrer Tiere. Schaffen Sie neben Plätzen zum Sonnenbaden auch Schattenplätze.
BodenstrukturDie Bodenstruktur der Schildkrötenanlage sollte möglichst vielseitig sein. Kiesige und sandige Plätze sollen sich mit dicht bepflanzten abwechseln und sich ergänzen. Hügel, grosse Steine und Wurzeln sind als Gestaltungselemente und als Sichtbarrieren einzubauen. Verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten dienen als Versteck und zum Schutz vor Hitze, Kälte und Nässe. Raue Stellen sorgen für einen genügend starken Krallenabrieb. EinfriedungDie Schildkrötenanlage ist ausbruchsicher zu begrenzen. Die Höhe der Konstruktion sollte mindestens 40 cm betragen. Der obere Rand kann nach innen überstehen. Die Schildkröten können wahre Kletterkünstler sein. Vor allem in den Ecken kann ihnen dabei Erfolg beschieden sein. Decken Sie die Ecken daher mit Dreieckbrettern, Stein- oder Betonplatten ab. Die Begrenzung soll eingegraben werden, damit die Tiere nicht unten durch entweichen können. Als Abgrenzung können verschiedene Materialien verwendet werden:
Sehr elegant, aber teuer sind Glas- oder PVC-Scheiben. Dieses durchsichtige Material vermittelt ein besonders natürliches Bild, und so kommt nicht der Eindruck von "Gefangenschaft" auf. Sie sind ein vorzüglicher Windschutz. Frühbeetkasten
Die Einrichtung eines Frühbeetkastens (Bild oben) hilft wesentlich mit, die in unseren Breitengraden milde Sonneneinstrahlung besser auszunützen. Durch den erzielten Treibhauseffekt werden die Temperaturen auf einfache Art angehoben. Ein automatischer Lüfter (Bild unten) schützt vor allfälliger Ueberhitzung.
EiablageplatzWenn Sie Weibchen halten, muss ein Eiablagehügel in die Anlage integriert sein. Dieser in süd-westliche Richtung abfallende Hügel soll möglichst ganztägig besonnt sein. Das Erdmaterial soll aus normalem Aushubmaterial, Rindenkompost oder Humus bestehen. Sand ist ungeeignet. JungtiereSchaffen Sie übersichtliche Kleingehege, damit Sie die Tiere jederzeit kontrollieren können. Sie sind unbedingt vor Hunden, Katzen, Mardern, Krähen und dergleichen, auch vor Kleinkindern, mittels Abdecknetzen oder -gittern zu schützen. Frühbeetkästen filtern das UV-Licht. Sorgen Sie daher für natürliches Sonnenlicht ! Wichtiges in Kürze
In der Natur scheint alles zu stimmen: Machen wir sie doch zu unserem Vorbild. Auf den Bildern oben und unten weibliche Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni boettgeri) in Griechenland.
Geeignete Arten:
Jungtiere:Schutz vor Frassfeinden: Marder, Krähen, Hunde, Katzen Futter:Mit einer natürlichen Vegetation werden die Futtersuche und das selbständige Abweiden ermöglicht. Wasser:Jederzeit frisch anbieten. Auf Verschmutzung achten. Unterschlupf:Trocken und witterungsgeschützt. Frühbeetkasten optimal Verfasser: Urs Jost
SIGS
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