SIGS-Merkblatt Nr. 6

Braune Landschildkröte (Manouria emys)
Foto: Ursula Eggenschwiler
Landschildkröten sind Pflanzenfresser. Mit der
Pflege unserer Tiere übernehmen wir unter anderem die Verantwortung
über Temperatur, Licht, Gruppenzusammensetzung und Futter. Die
Natur soll unser Vorbild sein. Das Tier kann nicht entscheiden, was
ihm gut tut. Aus Naturbeobachtungen und dem Studium des Körperaufbaus
der Tiere erfahren wir, was in das Futterangebot gehört. Die Ernährung
der Schildkröten muss in einem direkten Zusammenhang mit ihrem natürlichen
Biotop und dem Aufbau ihres Verdauungsapparates gesehen werden. Der
Aufbau und die Gliederung des Verdauungstraktes lassen Rückschlüsse
zu, ob Nahrung tierischer oder pflanzlicher Herkunft verdaut werden
kann. Pflanzenfressende Schildkröten, also alle Landschildkröten,
haben einen längeren Verdauungstrakt als fleischfressende.
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Wir fördern eine gute
Lebensqualität, wenn wir unseren Pfleglingen Anreiz zur
Futtersuche bieten können. Bewegungsarmut und ein Übermass
an Futter führen zu lebensbedrohender Verfettung. Die
erfolgreiche Bebrütung von Schildkröteneiern stellt uns
vor eine grosse Herausforderung: die Aufzuchtfütterung.
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Schildkröten sind Feinschmecker auf ihre Art. Sie
haben Anspruch auf qualitativ einwandfreies Futter. Sie sind keine
Abfallverwerter. Die Zusammensetzung der Mikroflora (Bakterien und
Einzeller) im Verdauungstrakt der Schildkröten ist abhängig vom
Futterangebot. Alle Schildkröten brauchen für eine optimale
Verdauungsaktivität eine hohe Grundtemperatur.

Die Natur soll unser Vorbild sein.
Foto: Ursula Eggenschwiler
Allgemeines
Ernähren Sie Ihre Landschildkröten jeglicher Art mit einem kräuter-
und rohfaserreichen Pflanzenangebot. Geben Sie Ihren Tieren die Möglichkeit,
sich das Futter selbst auf einer Magerwiese zusammenzusuchen.
In den vegetationsarmen Übergangszeiten eignen sich:
- Endiviensalat
- Zuckerhut
- Feldsalat (Nüsslisalat)
- Brombeerblätter
- Krachsalat
- Eisbergsalat usw.
- Heu ist jederzeit ein hervorragendes Ergänzungsfutter.
Geeignete Futterpflanzen sind zum Beispiel:
- Löwenzahn
- Spitzwegerich
- Disteln
- Müllerblümchen
- Gras
- Storchenschnabel
Vermeiden Sie:
- Obst: führt zu Blähungen und Durchfall
- Hunde-, Katzenfutter: ist zu eiweissreich. Es führt zu Gicht
und Nierenversagen
- Schildkrötenfertigfutter
Haben Sie gewusst:
- Auch mit Grünzeug kann eine
Landschildkröte überfüttert werden.
- Je grösser der Kräuteranteil,
desto optimaler ist die Qualität.
- Je ausgewachsener die Vegetation
ist, desto günstiger wird das Kalzium-Phosphor-Verhältnis.
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Menge
In der Natur müssen die Tiere fressen, wenn sie die Möglichkeit
haben. Es gibt viele Tage, an denen sie kein Futter zur Verfügung
haben: Kaltes, nasses Wetter, Hitze, Trockenheit, sonstige Gefahren
verhindern oft eine regelmässige Futteraufnahme. Daher müssen die
Tiere in der Natur fressen, wann immer sich dazu die Gelegenheit
bietet. In menschlicher Obhut fallen diese Störfaktoren weg und die
Tiere könnten sich vom April bis im Oktober täglich mit dem üppigsten
Futter den Bauch voll schlagen. Zudem leiden sie oft an
Bewegungsmangel. Die Folge davon sind Verfettung und weitere
richtiggehende "Zivilisationserkrankungen", wie z.B.
Gicht. Gestalten Sie Ihre Gehege so, dass die Tiere ihr kräuterreiches
Futter selbst suchen können. Auch mit "nur" Grünzeug
kann eine Schildkröte überfüttert werden.
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Denken Sie an den für Schildkröten zu üppigen
Gehalt unserer Pflanzen im Gegensatz zu natürlichen
Magerwiesen.
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Eiweiss
Die Futterpflanzen zeichnen sich durch erstaunlich hohe
Eiweissgehalte aus. Die Darmflora (Bakterien und Einzeller) baut
anhand der abgebauten Futterbestandteile hochwertige Eiweisse auf,
die wiederum der Schildkröte zugute kommen.
Eine gesunde Darmflora wird unter anderem durch eine rohfaserreiche
Zusammensetzung der Nahrung aufrecht erhalten. Hunde- oder
Katzenfutter wie auch die meisten im Handel erhältlichen
Fertigfutter sind ungeeignet für unsere Landschildkröten. Es führt
zu qualitativ schlechtem Wachstum und Höckerbildung und zu nicht
mehr heilbaren Nierenschäden.
Von der Futteraufnahme bis zur Kotausscheidung dauert es 15 bis
40 Tage. Kürzere Passagezeiten deuten auf eine gestörte Darmtätigkeit
infolge falscher Ernährung oder Infektion hin.
Folgen falscher Ernährung:
-
Knochendeformationen,
Höckerbildung
-
Verfettung,
Kieferdeformationen, Gicht
-
Bei Jungtieren zu
schnelles Wachstum auf Kosten der Gesundheit
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Kalzium, Phospor
Der Körper kann den Kalziumspiegel im Blut mittels Vitamin D und
Hormonen der Nebenschilddrüse (Parathormon) regulieren. Ein
jederzeit zur Verfügung stehendes Kalziumdepot sind die körpereigenen
Knochen. Der Körper ist bestrebt, in seinem inneren Haushalt ein
ganz bestimmtes Verhältnis von Kalzium (Ca) zu Phosphor (P)
aufrecht zu erhalten, meist etwa 2:1. Frisst die Schildkröte nun
Futter, das einen eher höheren Anteil an Phosphor als Kalzium
aufweist, wie dies zum Beispiel bei Bananen, Tomaten und Pfirsichen
der Fall ist, beginnt der Körper, aus seinen eigenen Knochen
Kalzium abzubauen, um das erwünschte Ca:P-Verhältnis wieder
herzustellen. Dies kann zu weichen, porösen Knochen oder
Skelettverformungen führen.
Futter mit optimalem Ca:P-Verhältnis ist zum Beispiel:
- Löwenzahn
- Lattich
- Spitzwegerich
- Endivien
Ein Zuviel an Vitamin D verursacht Knochendeformationen und
Knochenerweichung. Zudem können die Tiere sterben, weil die Organe
verkalken. Zuviel Vitamin provoziert eine überschiessende Häutung.

Zurückhaltende, natürliche Ernährung begünstigt
kompaktes Wachstum.
Foto: Ursula Eggenschwiler
Jungtiere
Grundsätzlich sind sie wie erwachsene Tiere zu füttern. Achten
Sie jedoch auf zurückhaltende, nach unseren Massstäben
"karg" anmutende Fütterung. Vermeiden Sie Fertigfutter.
Bieten Sie schon den Jüngsten unter ihnen zusätzlich Heu an.
Zuviel Löwenzahn verursacht Harnblasensteine.
Wichtiges in Kürze
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Nur ein optimales Wärmeangebot
ermöglicht eine optimale Verdauung.
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Futterangebot:
- Frisches Futter
- Futtersuche ermöglichen
- Saisonale Qualitätsänderungen
Landschildkröten (alle):
- Rohfaserreiches Futter
- Kräuter, Magerwiesenpflanzen
- Heu jederzeit
Vitamine:
Kräuterreiche, natürliche Fütterung erübrigt Vitaminzugaben.
Wasser:
Jederzeit frisch anbieten.
Jungtiere:
- Langsames Wachstum anstreben
- Fütterung zurückhaltend
- Kein Fertigfutter oder Pellets
Verfasser: Ursula Eggenschwiler
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